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So beeinflusst Stress die Darmgesundheit

In Deutschland leiden mehr als 320.000 Menschen an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa. Tendenz steigend. Typische Symptome: Schubweise heftige Bauchkrämpfe, Durchfall und Fieber. Bei manchen Menschen verläuft die Krankheit mild, bei anderen so stark, dass sie sogar lebensbedrohlich sein kann.

Stress beeinflusst Darmmuskulatur

Durch unwillkürliche Bewegungen der Ring- und Längsmuskulatur wird der Speisebrei normalerweise über den Dünndarm und Dickdarm Richtung Enddarm befördert. Die Forscher fanden nun heraus, dass in der Darmwand sitzende Gliazellen und Neurone Stressmoleküle erkennen und darauf reagieren können. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Immunantwort im Darm.

Wenn die Gliazellen über längere Zeit in der Umgebung merken, dass sich dort Stresshormone (Glukortikoide) im Darm festgesetzt haben, beginnen sie, entzündungsfördernde Moleküle zu produzieren. Diese aktivieren wiederum Immunzellen im Darm. Die Entzündungsreaktion des Darmes wird dadurch verstärkt.

Andererseits reagieren auch Neurone im Darm auf Glukortikoide und verlieren ihre Fähigkeit, die Muskulatur zu regulieren. Die Nahrung bleibt länger im Darm. Diese beiden Phänomene tragen zur Verschlimmerung von Darmerkrankungen bei.

Psychische Faktoren oft außer Acht gelassen

Entzündungsschübe bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen werden meist mit Kortison behandelt, das akute Entzündungen reduzieren soll. Reagieren Betroffene nicht mehr auf Kortison, werden sogenannte Biologika verabreicht. Dabei handelt es sich um Antikörper, denen die Fähigkeit zugeschrieben wird, den Entzündungsprozess zu stoppen.

Doch ein Aspekt sei lange vernachlässigt worden, sagt Christoph Thaiss, Mikrobiologe an der University of Pennsylvania in Philadelphia im SWR: Bei der Untersuchung stellten er und Kollegen immer wieder fest, dass Patienten, die über belastende Lebenssituationen wie die Trennung vom Partner oder den Tod eines Familienmitglieds klagten, deutlich stärkere Darmentzündungsparameter aufwiesen.

Spaziergänge, Yoga und Meditation gegen Stress

Forscher denken nun über zwei Möglichkeiten nach, wie sie Menschen mit chronischen Darmerkrankungen in Zukunft besser helfen können. Experte Thaiss rät als erste Maßnahme dazu, Stress zu reduzieren. Dadurch soll eine Verschlimmerung der Entzündung verhindert werden. Weiterhin beschäftigen sich die Forschenden mit der Frage, ob die Gliazellen, die in der Forschung als wichtige Faktoren für die Darmgesundheit identifiziert wurden, auch therapeutisch genutzt werden können — das heißt, welche Medikamente auf die entzündungsfördernden Moleküle wirken könnten.